Üben Und Lernen Holzwege sind keine Autobahnen       Das besondere Problem an semiotischen Interpretationen von sinnlich wahrnehmbaren Medien ist die Trennung von Form und Inhalt, die Vorstellung, die Medien seien nur Bedeutungsträger für etwas Existierendes außerhalb ihrer selbst. Diese Dichotomie von Form und Inhalt ist problematisch, denn der Inhalt, also die Bedeutung von Medien ist oft selbst ein sinnlicher. Über die Betrachtung der Rezeptionsprozesse im Ritual gelangt der ‚sinnliche Sinn’ neben dem ‚diskursiven Sinn’ ritueller Formen in den Blick, verschmelzen der ‚sinnliche Sinn’ und der ‚hermeneutische Sinn’.    Die Wahrnehmung und Bewertung von Sinnesreizen ist hochgradig kulturell geprägt. Um Zugang zu ihnen zu gewinnen, will die Reihe den Teilnehmern die Möglichkeit geben, sensorische Wahrnehmungen mit den eigenen Sinnen zu erfassen und zu erfahren; denn bei den Veranstaltungen wird jeder kulturvertrauten wie auch kulturungewohnten Phänomenen begegnen. Wichtig ist nicht zu vergessen, dass die Eindrücke der Teilnehmer in vielen Fällen ganz andere sind als die der Akteure und sie oft mit der kulturellen Organisation der Sinne vorerst nicht vertraut sind. Besonders stark trifft dies unserer Erfahrung nach auf die indischen Traditionen zu. Das Wechselspiel aus eigenen Erfahrungen und Reflexion der Teilnehmer dient als Grundlage, um mit den jeweiligen Akteuren ins Gespräch und in die konkrete Begegnung zu kommen. Die Diversität in Form und Inhalt fördert aber auch gleichzeitig bewegliches Denken und verschiedenartiges Handeln. Es entstehen Begegnungsräume, in denen eine Unterscheidung und Anerkennung von Gruppen- und individuellen Merkmalen, wie (Alltags-)Kultur, Religion, Weltanschauung, Alter, Gender, Sprache, Wahrnehmungsmuster und Spiritualität möglich werden. Dabei geht es nicht darum, auf der Ebene der Ästhetik Differenzen zu verwischen oder gar zu überwinden, sondern diese mit Blick auf ihre unterschiedlichen ästhetischen Formen zu allererst wahrnehmbar und somit gestaltbar zu machen.    In diesem interkulturellen und intrakulturellen Lernen liegt das Potential dieser Begegnungsform. Denn der besondere Charakter der Ausdrucksformen ermöglicht den wechselseitigen Respekt gegenüber dem jeweils Anderen und wahrt künstlerische ebenso wie religiöse Ausdrucksformen, die für sich stehen und als solche potentiell in einer Fremdheit verbleiben. Dennoch können sie zusammenklingen. Das Konzept der künstlerischen Freiheit, das in der Idee der Menschenwürde wurzelt und breite Anerkennung findet, stellt auf der Ebene der Religionen noch ein Desideratum dar. Menschenwürde ist in diesem Sinne nicht nur eine ethische, sondern auch eine ästhetische Kategorie, die in der Souveränität des menschlichen Antlitzes gründet und in der Erfahrung künstlerischer Autonomie ihren besonderen Widerhall findet. Ästhetische Phänomene schaffen hier deshalb einen geeigneten Zugangspunkt, weil sie unmittelbar direkt und überraschend berühren. So wie die Menschenwürde allen Menschen zukommt, sind alle Kulturen als Kulturen gleichwertig, obwohl unleugbar unterschieden.

 

Üben Und Lernen
Holzwege sind keine Autobahnen

 

Das besondere Problem an semiotischen Interpretationen von sinnlich wahrnehmbaren Medien ist die Trennung von Form und Inhalt, die Vorstellung, die Medien seien nur Bedeutungsträger für etwas Existierendes außerhalb ihrer selbst. Diese Dichotomie von Form und Inhalt ist problematisch, denn der Inhalt, also die Bedeutung von Medien ist oft selbst ein sinnlicher. Über die Betrachtung der Rezeptionsprozesse im Ritual gelangt der ‚sinnliche Sinn’ neben dem ‚diskursiven Sinn’ ritueller Formen in den Blick, verschmelzen der ‚sinnliche Sinn’ und der ‚hermeneutische Sinn’.

Die Wahrnehmung und Bewertung von Sinnesreizen ist hochgradig kulturell geprägt. Um Zugang zu ihnen zu gewinnen, will die Reihe den Teilnehmern die Möglichkeit geben, sensorische Wahrnehmungen mit den eigenen Sinnen zu erfassen und zu erfahren; denn bei den Veranstaltungen wird jeder kulturvertrauten wie auch kulturungewohnten Phänomenen begegnen. Wichtig ist nicht zu vergessen, dass die Eindrücke der Teilnehmer in vielen Fällen ganz andere sind als die der Akteure und sie oft mit der kulturellen Organisation der Sinne vorerst nicht vertraut sind. Besonders stark trifft dies unserer Erfahrung nach auf die indischen Traditionen zu. Das Wechselspiel aus eigenen Erfahrungen und Reflexion der Teilnehmer dient als Grundlage, um mit den jeweiligen Akteuren ins Gespräch und in die konkrete Begegnung zu kommen. Die Diversität in Form und Inhalt fördert aber auch gleichzeitig bewegliches Denken und verschiedenartiges Handeln. Es entstehen Begegnungsräume, in denen eine Unterscheidung und Anerkennung von Gruppen- und individuellen Merkmalen, wie (Alltags-)Kultur, Religion, Weltanschauung, Alter, Gender, Sprache, Wahrnehmungsmuster und Spiritualität möglich werden. Dabei geht es nicht darum, auf der Ebene der Ästhetik Differenzen zu verwischen oder gar zu überwinden, sondern diese mit Blick auf ihre unterschiedlichen ästhetischen Formen zu allererst wahrnehmbar und somit gestaltbar zu machen.

In diesem interkulturellen und intrakulturellen Lernen liegt das Potential dieser Begegnungsform. Denn der besondere Charakter der Ausdrucksformen ermöglicht den wechselseitigen Respekt gegenüber dem jeweils Anderen und wahrt künstlerische ebenso wie religiöse Ausdrucksformen, die für sich stehen und als solche potentiell in einer Fremdheit verbleiben. Dennoch können sie zusammenklingen. Das Konzept der künstlerischen Freiheit, das in der Idee der Menschenwürde wurzelt und breite Anerkennung findet, stellt auf der Ebene der Religionen noch ein Desideratum dar. Menschenwürde ist in diesem Sinne nicht nur eine ethische, sondern auch eine ästhetische Kategorie, die in der Souveränität des menschlichen Antlitzes gründet und in der Erfahrung künstlerischer Autonomie ihren besonderen Widerhall findet. Ästhetische Phänomene schaffen hier deshalb einen geeigneten Zugangspunkt, weil sie unmittelbar direkt und überraschend berühren. So wie die Menschenwürde allen Menschen zukommt, sind alle Kulturen als Kulturen gleichwertig, obwohl unleugbar unterschieden.