Geist Atem Wind. Sinneswandlung

Thema der Reihe Ästhetik der religiösen Begegnung 2019

In der hebräischen Sprache Israels bezeichnet rūah sowohl den Wind als auch den von Gott gegebenen Lebensatem, der den aus Erde erschaffenen Menschen zum Leben erweckt und der ihm bei seinem Tod wieder entzogen wird. Im übertragenen Sinn kann rūah auch Bedeutungen annehmen die sich mit „Geist“ übersetzen lassen. Ähnlich verhält es sich mit der arabischen Sprache des Islam, wo Wind (rīh) und Lebensatem bzw. Geist (rūh) durch zwei sprachlich sehr verwandte Begriffe ausgedrückt werden. Auch das griechische Wort pneuma und das lateinische Wort Spiritus im christlichen Sprachgebrauch haben grundsätzlich ein vergleichbares Bedeutungsspektrum, verschieben den Akzent aber in Richtung Geist. Judentum, Christentum und Islam sprechen unter Verwendung von derselben Terminologie auch von Gottes Geist. Am Anfang, als Gott Himmel und Erde erschafft, schwebt der GeistWind Gottes über dem Wasser. Der Geist-Wind Gottes lässt Propheten in Verzückung geraten und kann auf eine Person überspringen, die in ihre Nähe kommt. Der Geist ist es, der zu Beginn des Markus-Evangeliums von Jesus Besitz ergreift und ihn in die Wüste führt. Der Geist ergreift den Seher der Apokalypse und lässt ihn die zukünftigen Ereignisse sehen.

Der Geist in Sankrit heißt MANAS. Gemäß der Bhagavat-Gita ist Geist eine spezifische Funktion des Bewusstseins, welche in verschiedene Bereiche zu unterteilen ist: Steuerung der Sinnesorgane und der gesamten Körper-funktionen. Denken: Konzepte oder Ideen bilden und auch ablehnen. Fühlen. Wünschen: antriebsgebender Faktor zur Aktion, die durch den Körper ausgeführt werden. Geist ist ein dynamische materielle Energie/Kraft, die, bei dem Versuch sich zu bewegen, sich nur in der Vergangenheit wiederfinden kann, daher wird die Gegenwart vernachlässigt. MANAS unterscheidet sich von den drei anderen Funktonen des Bewusstseins. Diese drei Funktionen sind Unterscheidungsvermögen (Intellekt), die Wahrnehmung der falschen Identität (falsches Ego), und,  im erleuchteten Zustand, die Wahrnehmung der wahren wesenseigenen Identität (die Seele). Wegen der vollständigen Beschäftigung der Körperfunktionen, wie Sinnesorgane, ist der Geist nicht in der Lage die Realität (spirituelle, transzendentale, Absolute Dimension) jenseits der Sinneswahrnehmung zu erfahren bzw. wahrzunehmen. In den vedischen Schriften wird MANAS manchmal als Synonym von Chitta (Herz) verwendet. In dem Fall ist MANAS als ein Wahrnehmungsorgan für die transzendentale Realität zu verstehen. Wenn der Geist sich aus dem Bann der Dualität, Unwissenheit und Illusion befreien kann, wird es ihm möglich die Transzendenz wahrzunehmen. Geist im Kontakt mit Phänomen, äußerer Realität, erlebt Zeitweiligkeit. Aber wenn es nach innen projiziert wird, beginnt es, die Seele wahrzunehmen, die die Ewigkeit verkörpert.

Im Koran wird der Geist Gottes zu Maria gesandt und erscheint ihr im Bildnis eines wohlgestalteten Mannes. Er verkündet ihr die Geburt von Jesus – dem Propheten, der von Gott ohne Beteiligung eines menschlichen Vaters erschaffen wird. In der islamischen Theologie wird diskutiert, ob der Geist ein anderer Name ist für den Engel Gabriel, der dem Propheten Muhammad die von Gott herabgesandten Rezitationsworte des Koran überbringt und der nach zwei christlichen Evangelien derjenige ist, der bevorstehende Geburt Jesu an Maria verkündet. Der Koran selbst identifiziert Geist und Engel nicht miteinander, aber er nennt sie mehrfach im selben Zusammenhang. Die Engel und der Geist steigen gemeinsam zu Gott hinauf auf einer Art Leiter, wenn er eines Tages die Menschen strafen wird. Die Engel und der Geist werden sich in Reihen geordnet aufstellen. Die Engel und der Geist stiegen in der Nacht „Al‘ Kadar“ (Nacht der Macht) im Fastenmonat Ramadan herab und Gabriel offenbarte Mohammed dabei die erste Koransure.

Der Geist in der Chinesischen Kultur wird in den ältesten chinesischen Texten primär im Hinblick auf ihre Funktion und Aufgabe im menschlich-ethischen wie kosmologischen Bereich gestellt. Diese Aufgaben sind wiederum eng mit der chinesischen Vorstellung vom Ich verbunden, wo es ebenfalls weniger um die Frage geht „was bin ich“ als vielmehr „was soll ich“? Anders als im Abendland reflektieren die ältesten philosophischen Quellen ein sehr viel stärkeres Interesse an gesellschaftlichen und politischen als beispielsweise an ontologischen Fragen. Der Blick auf den Geist oder das Seelische im chinesischen Denken weist  deutlich über das Individuum hinaus.  So begreifen beispielsweise die Daoisten  den Geist (shen)   als  eine  überindividuell wirksame Kraft, die sich im Sinne eines Potentials jenseits von yin und yang befindet, aber gleichzeitig ihre individuelle Wirksamkeit im Menschen, ganz konkret im menschlichen Herzen, entfaltet. Im Hinblick auf das individuelle Verhältnis von Körper (xing) und Geist (shen)  offenbart sich in allen genuin chinesischen Denkströmungen – ganz im Gegensatz zum abendländischen Denken - die Untrennbarkeit von Körper und Geist. Dieser fehlende ontologische Leib-Seele Dualismus hängt wiederum unmittelbar mit der alles verbindenden und überall wirksamen Lebenskraft qi zusammen. So wie der Körper selbst eine bestimmte, stark verdichtete Manifestation von qi darstellt, ist auch der Geist (shen), von seiner individuellen bis hin zur universellen Wirksamkeit, letztlich Ausdruck einer wohl als extrem verdünnt zu denkenden Form der Lebenskraft (qi). Wenngleich sich in der weiteren geistesge-schichtlichen Entwicklung durchaus eine verstärkte Blickrichtung nach innen und damit eine zunehmende  Individualisierung erkennbar wird, bleibt die Verbindung des Einzelnen zum Kosmos immer präsent. So wird im chinesischen Denken, ganz im Unterschied zum Abendland, weder von der Seele als eigenständiger ontologischer Entität noch von einer Leib-Seele Dichotomie gesprochen. Vielmehr wird das Verhältnis von Körper und Geist im Sinne eines sich dynamisch verändernden Prozesses diskutiert.

Der Geist und sein Atem im Buddhismus ist die „Einsicht in den Geist ist Weisheit – daher suche Buddha nicht anderswo!“ lautet ein Schlüssel-Satz im Aryatyayajnana-Sutra, dem „Sutra der erhabenen Erkenntnis des Darüber-hinaus-Gehens“. Geist ist jedoch ein schwer zu fassendes Phänomen und Einsicht in ihn erst nach Schaffung von Voraussetzungen möglich, weshalb die vielfältigen Lehren des Buddhismus letztlich genau diesem Zweck dienen: den Geist zur Reife zu bringen, direkte Wahrnehmung der Realität und der Art, wie Geist sie verzerrend vermittelt, zu erreichen. Beim gewöhnlichen Menschen gleicht der Geist einem unberechenbaren brünstigen Elefanten sowie einem zappeligen Affen - so stellt ihn die Kunst Asiens humorvoll dar. Die Mittel, einen so beschaffenen Geist zu zähmen und zur Ruhe zu bringen, entstammen auch im Buddhismus den altbewährten Meditations-Methoden des indischen Yoga. Dazu entwickelt der Übende unter großen Mühen scharfe Konzentration und formt sich seinen Geist zu einem Präzisionswerkzeug, mit dem er oder sie den eigenen Willen geschmeidig umsetzen kann, während die eigenen Ziele gleichzeitig immer klarere Konturen erhalten. Wissen über die Anatomie des Geistes dient dabei als Geländer für die Eingriffe und Neujustierungen, die der Übende an seinem Geist vornimmt. Der Lehrstoff dieses Wissens umfasst die Beschreibung, wie der Geist mit seinen Objekten verfährt, woher er sie bezieht, welche Ebenen der Betrachtung in all ihrer Subjektivität noch ein Höchstmaß an Authentizität der Objekt-Vermittlung ausweisen, wie durch bestimmte Funktionen der Aufbereitung der Objekte konzeptuelle Verfestigung eintritt, die zu Leiden führt, indem sie den „instabilen Haufen von Häufchen“ -  das Ich - als dauerhaft und substantiell existierend auffasst ( tib.: `jig lta), und vieles mehr. Der Geist des gewöhnlichen Wesens ist gekennzeichnet von dem „alles-durchdringenden Leid“, der inneren Unruhe, dem ewigen Dürsten nach Befriedigung und Reiz, Unzufriedenheit und defizitärer Bedürftigkeit, die mal gröber, mal subtiler empfunden wird. Der erleuchtete Geist dagegen sonnt sich in der ewigen spontanen liebevollen Wärme seines Friedens, seiner Klarheit und vollkommenen Angstfreiheit. Geist ist ein leeres, abhängiges Phänomen. Er existiert im untrennbaren Zusammengehen mit „Prana“, einem subtilen, als „Atem“ oder „Wind“ bezeichnetem Strom. Der tantrische Buddhismus nutzt Methoden, diese Ströme geistig zu lenken, um Kontrolle über beide und damit über die eigene Existenz zu gewinnen. Die dazu nötigen, extrem anspruchsvollen Meditations-Techniken, kann nur eine Person zielführend ausüben, die über ein großes Maß an Kraft aus Altruismus verfügt. Altruistische Liebe ist die bedeutsame Qualität des Geistes, die ihn zur Weisheit bringt. Auch für die tantrischen Methoden zur Lenkung des „feinstofflichen Atems“ des Prana ist Wissen erforderlich. Der Meditierende lernt zum Beispiel die einzelnen Phasen des Todesprozesses, wenn die gröberen Prana-Ströme und der damit einhergehende Geist die gröberen körperlichen Elemente nicht mehr stützen, und wie der Sterbende dies im Inneren erlebt. Die geübte Visualisierung dieser Phasen wendet er dann an, während er stirbt. Und wenn dann mit dem letzten Ausatmen kein Einatmen mehr stattfindet, also der physische Tod sich vollzieht, konzentriert er sich auf den entscheidenden Moment: In der Auflösung des eigenen groben Atems bleiben im Erleben des Geistes am Ende die subtilste Ebene von Geist, sein sogenanntes „klares Licht“, und dessen Prana übrig, und diesen Augenblick kann der äußerst fortgeschrittene buddhistische Yogi zur Befreiung von Wiederverkörperung nutzen, wenn er das „klare Licht“ direkt erkennt. Buddhistische Texte schildern die Inhalte des Erlebten nüchtern als Farben und physikalisches Erleben oder auch in kunstvolle Metaphern gekleidet, personifiziert als die „Fünf Buddhas“, was die Visualisierung erleichtert. Die mannigfaltige Pracht der Bilderwelten des Buddhismus illustriert grundsätzlich all die Facetten des erleuchteten Geistes und wie erleuchteter Geist und Atem, Prana, in harmonischem Tanz untrennbar vereint sind.  Aber auch der Unerleuchtete richtet unbewusst Atem und Geist. Der Mahasiddha Kanha (ca. 9. Jh.), ein großer Meditierender, der einen poetischen Liederschatz zur Erleuchtung hinterließ, beschreibt es so: „Im eigenen Körper sehe ich beide: Mitgefühl und Leerheit. Ich habe den Ozean der Existenz aus Illusion und Traum überquert. Inmitten der Strömung, im Spüren der Wellen, als Eigenes die Fünf Buddhas ergreifend, Kanha, betreibe für den Körper ein Netz aus Illusionen: Die Empfindungen des Geruchs, Geschmacks, der Berührung sind sie, wie ein schlafloser Traum. Auf der Reise zur Leerheit ist der Geist der Steuermann. In seiner Begleitung macht Kanha sich auf zur großen Glückseligkeit.“

Schon die alten Kulturen, wie zum Beispiel in Ägypten und Griechenland kannten die Bedeutung des Atems. Sie nannten ihn den „Königsweg zum Bewusstsein“. Der Atem zeigt in der Atemtherapie nach Prof. Ilse Middendorf einen Weg auf, die Atemerfahrung lehrbar zu machen. Diese Methode baut nicht auf einem theoretischen Konzept auf, sondern entsteht und wächst nur durch eigenes Erleben. Sie ist einerseits individuell, andererseits wurden im Laufe der Zeit Atemgesetze entdeckt, die allgemeingültig sind. Diese Atemgesetze sind aus der Atemerfahrung erwachsen und können als Atemwissenschaft bezeichnet werden. Für das Phänomen der Atembewegung und seiner Konsequenzen fand Ilse Middendorf den Ausdruck „Der Erfahrbare Atem“. Ilse Middendorf gründete 1965 in Berlin das erste Ausbildungsinstitut für den Erfahrbaren Atem.

Anthroposophie ist die Spiritualität als Erfassen des Geistes im Erleben des Denkens. Das Denken als einen Ausgangspunkt spirituellen Lebens zu wählen ist eher ungewöhnlich. Gilt das Denken doch vielfach eher als Hindernis auf dem Weg geistiger Befreiung und als Medium reflexiver Anhaftung und Selbstverstrickung. Nimmt man jedoch als Grundphänomen der Spiritualität die Erfahrung der Einheit allen Seins und der Ungetrenntheit von Welt und Selbst, erweist sich das Denken als ungeahnt fruchtbarer Ausgangspunkt. Und zwar nicht nur zum Verständnis dieser Erfahrung, sondern auch als Basis und Ausgangspunkt dieser Erfahrung selbst. Denn das Denken ist das Mensch und Welt verbindende Element schlechthin, das allerdings als solches aufgrund seiner instrumentellen Anwendung in der Regel gar nicht ins Bewusstsein tritt. Auch wenn der gegenwärtige wissenschaftliche Mainstream das Denken eher als subjektiv-konstitutionelle Deutungsfunktion des Menschen ansieht, galt doch über Jahrhunderte hinweg anderes: „Denn [das Seiende] denken und sein ist dasselbe“, sagte Parmenides. In seiner Eignung dafür, das Seiende auch tatsächlich zu erreichen, wurde es in der Philosophie angefangen von den Vorsokratikern über Aristoteles und den Thomismus bis in den deutschen Idealismus hinein gewürdigt. Rudolf Steiner knüpfte an diesen Denk-Realismus an, indem er sich mit grundlegenden Einwänden, welche die Wissenschaft seiner Zeit gegen den Realitätscharakter des Denkens anführte, auseinandersetzte und das Vertrauen in das Denken als Ausgangspunkt authentischer Weltverbindung neu begründete. Für den Schritt, das Denken gar als Ausgangspunkt einer spirituellen Erfahrung zu setzen, ist allerdings ein grundlegender Perspektivenwechsel nötig: Denken soll dann nicht mehr als Mittel der Reflexion verwendet werden, nicht als Medium begrifflicher Ableitung oder gedankenlogischer Nachweise. Denken darf nicht mit der instrumentellen Rationalität verwechselt werden. Denken soll vielmehr in seinem selbsterklärenden und universellen Charakter unmittelbar erfahren werden. So verstandenes und erlebtes Denken führt zu einem intersubjektiver Letztgrund, den frühere Zeiten auch „Logos“ nannten, den alles durchziehenden Geisthauch. In Form der Ideen oder Begriffe vollziehen wir Menschen denkend mit, was die Welt zusammenhält, bewegt und erklärt. Denken ist Innenoffenbarung der Dinge. Denken kann aber auch, insofern es sich nicht auf sinnlich zu deutende Verhältnisse bezieht, reine Bewusstseinserfahrung und insofern eine Vorbereitung von Meditation sein. Bereits in seinem philosophischen Grundwerk der „Philosophie der Freiheit“ hat Steiner Anleitungen dazu gegeben, wie ein Übergangsbereich von denken und Meditation aussehen kann: „In diesem Buche wird versucht zu zeigen, dass richtig verstandenes Denk Erleben schon Geist Erleben ist.“

Und könnte es sein, dass die Welt nur Schein und alles sich im Bewusstsein abspielt? Der indisch-amerikanische Physiker Amit Goswami ( ist ein indisch-amerikanischer Physiker. Er war Professor am Institut of Theoretical Science der University of Oregon. Er hat zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten verfasst und zwei Physikbücher geschrieben, davon eines über Quantenmechanik) und andere Naturwissenschaftler, forschen seit Jahrzehnten über die Verbindung von Quantenphysik und Spiritualität, bzw. über das bewusste Universum. Vielleicht lassen sich die modernen Paradoxien der Wissenschaft lösen – wenn man annimmt, dass das Universum nicht aus Materie, sondern aus Bewusstsein besteht. Goswami zeigt, dass die Verbindung zwischen den Erkenntnissen der modernen Wissenschaft, etwa der Quantenphysik, und den uralten spirituellen Traditionen des Ostens auf ein neues, revolutionäres Weltbild hinausläuft. Das Universum hat Sinn, Zweck und Richtung.

Die Kunst kommt von Können, das, was man beherrscht; Kenntnis, Wissen, Meisterschaft umfasst im weitesten Sinn alle Produkte und Tätigkeiten, die dem schöpferischen Können, entspringen, durch das der Künstler das, was ihm von der Natur an Dingen und Fähigkeiten gegeben ist, durch seinen kreativen so verwandelt, erweitert und erhöht, dass dadurch das Sinnliche bereits als ein Geistiges erscheint. Und war Goethe der Vater einer neuen Ästhetik? Und liegt Goethes Schaffen ein ästhetisches Prinzip zu Grunde? Gemäß dieses Prinzips ist das Schöne nicht die Erscheinung eines Ideellen, d.h. eines abstrakt Geistigen, im sinnlichen Kleide, wie noch die deutschen Idealisten meinten, sondern es entsteht vielmehr umgekehrt aus einer solchen Umgestaltung und Erhöhung des Sinnlich-Tatsächlichen, dass dieses selbst, so wie es uns vor Augen steht, bereits als ein Ideelles, als ein konkret Geistiges erscheint. Die Kunst ist damit weder ein bloßer sinnlicher Abglanz des Geistigen noch kann sie sich in der reinen Nachahmung der Natur erschöpfen. Die Wahrheit bewohnt nicht bloß den inneren Menschen. Denn es gibt keinen inneren Menschen. Der Mensch kennt sich allein in der Welt. Merlau-Pontys zentrale These, dass man sich auf die Welt und die Dinge einlassen müsse wendet sich damit gegen die klassische Lehre von Augustinus, wonach im Inneren des Menschen die Wahrheit wohne. 

Am Beispiel der unterschiedlichen Deutungen menschlichen Daseins, die sich aus diesen und anderen Begriffswelten ergeben, erforscht die Reihe Wechselwirkungen zwischen gedachten und sinnlich erfahrenen Welten in der Begegnung zwischen religiösen, wissenschaftlichen und künstlerischen Überlieferungen und Praktiken. Von April – November 2019 werden wir der Frage Wie kommt der Geist in die Welt nachgehen. (Amit Goswami (* 4. November 1936 in Indien) ist ein indisch-amerikanischer Physiker. Er war Professor am Institut of Theoretical Science der University of Oregon. Er hat zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten verfasst und zwei Physikbücher geschrieben, davon eines über Quantenmechanik.