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POETIKDOZENTUR 2019

Thanassis Lambrou, Diplomat, Lyriker, Essayist, Übersetzer aus Athen

  • 24.11. 2019 I 31. 11. 2019 I 07.12. 2019 von 18:00-19:30

  • Theologische Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin, Burgstr. 26,10178 Berlin, Raum 117

Thanassis Lambrou, geb. 1962 in Lamia (Griechenland), lebt in Athen. Studium der Rechtswissenschaften an der Aristoteles-Universität von Thessaloniki, Zweitstudium an der Albert-Ludwigs-Universität zu Freiburg i. Br. in Philosophie, Kunstgeschichte und Klassischer Philologie. Magister Artium 1991 und anschließend 1994 Promotion zum Dr. phil., ab 1998 im diplomatischen Dienst Griechenlands. Seit 1992 Tätigkeit als Lyriker, Essayist und Übersetzer deutschsprachiger Literatur ins Griechische. Zahlreiche Veröffentlichungen von Gedichten, Aufsätzen, Buchkritiken in mehreren literarischen Zeitschriften und Zeitungen. Seine Hölderlin-Übersetzung wurde 2008 mit dem Griechischen Übersetzerpreis ausgezeichnet.

Die jährliche Poetikdozentur, die, bislang singulär in Deutschland, dem künstlerischen Zugang zu Phänomenen des Religiösen bzw. dem religiösen Wissen der Künste eine Plattform für ein breiteres Publikum bietet, ist von weiterer Bedeutung. In drei Vorlesungen geben Schriftsteller und Künstler Einblicke in ihr Schaffen. Welche Rolle spielen religiöse Phänomene für ihr eigenes Werk? Und wie verstehen sie aus ihrer ästhetischen Sensibilität heraus die vielgestaltigen Ausdrucksformen der Religion(en) und des Religiösen in der Kunst? Denn nicht zuletzt sind die Poesie, die bildende und Performance-Kunst, die Musik und die Literatur der Gegenwart auch für die religiöse Praxis und die zeitgenössische Theologie selbst von existentieller Bedeutung. Nicht nur, um Denken, Hören, Sehen und die Empfindung zu schulen, nicht nur, um den Horizont zu weiten, sondern auch und vor allem, um verhandelte Sujets selbst aufzugreifen, im Eigenen weiter zu bedenken und eigene Gestaltungskräfte zu entfalten zu helfen. Dichtung und Religion sind bislang wenig im Gespräch. Hier soll ein Gegenimpuls gesetzt werden, um wechselseitige Vorbehalte kommunikativ zu verflüssigen.

Lyriker der Gegenwart machen Spiritualität zum Thema und geben dem Unaussprechlichen eine Stimme. Sie tun das keineswegs naiv. So stellen sie zum Beispiel die nur scheinbar einfache Frage, ob der Gottesgewisse oder der Zweifelnde spiritueller ist. Bei vielen Menschen gibt es ein neues Interesse an der Religion und die Zugänge zu dieser Religion sind weniger theologischer oder lehrhafter Art sondern lyrischer Art. Viele Menschen sind auf der Suche nach einer neuen Form von Spiritualität und nach einer Sprache, die anders auch den ganzen Menschen, das Gefühl, die Seele anspricht. In der Moderne war das Sprechen über Religion verpönt. Inzwischen gibt es Schriftsteller, Wissenschaftler und Künstler, die es wagen, dem Unaussprechlichen eine Stimme zu geben und Spiritualität wieder zum Thema zu machen. Allerdings umfasst ihre Suchbewegung oft auch Zweifel und Unsicherheit. Gedichte und Gebete haben gemeinsame Wurzeln. Sie sind verwurzelt im kultischen Tanz und im Gesang. So steht die Poetikdozentur nicht zuletzt dafür, Kunst, Religion und Wissenschaft miteinander intensiver ins Gespräch kommen zu lassen, ihnen einen Möglichkeitsraum der gemeinsamen Begegnung und Verwebung zu eröffnen.

  • Potikdozentur 2018 I Dichter Christian Lehnert In der Kehre. POESIE und der Puls des Gottes

  • Poetikdozentur 2017 I Dichterin Angela Krauß Vom Traum ins Leben. Gott und Gedicht

  • Poetikdozentur 2016 I Clara-Elisabeth Vasseur Phänomenologie des inkarnierten Wortes

  • Poetikdozentur 2015 I Autorin Dr. Julia Voss Hilma af Klint - Das Geistige in der Kunst

  • Poetikdozentur 2014 I Eugen Blume Wie lange wollen Sie noch beim ersten Schritt bleiben?

  • Poetikdozentur 2013 I Komponisten Samir Odeh-Tamimi Korangesänge

  • Poetikdozentur 2012 I Schriftsteller Hans Thill Kühle Religionen