Meryl McMaster, So immens wie der Himmel, 2019
McMaster ist eine kanadische Künstlerin mit nêhiyaw (Plains Cree), Métis, britischen und niederländischen Vorfahren.

Meryl McMaster, Die Schwerkraft der Zeit,
Serie: Wanderungen, 2015

Meryl McMaster, Was werde ich zum Himmel und zur Erde sagen II, 2019

Alma-Lou, Im Himmel steht auch ein Haus, 2025

Agnes Martin, 1912 - 2004
Wenn ich an Kunst denke, denke ich an Schönheit.
Schönheit ist das Geheimnis des Lebens.
Sie liegt nicht im Auge, sie liegt im Inneren.
In unserem Inneren gibt es Erkenntnis von Vollkommenheit.
Meine Arbeit ist Anti-Natur / Der vierstöckige Berg / Du denkst weder an Form, Raum, Linie noch Umriss / Eine bloße Andeutung von Natur gibt Gewicht / leicht und schwer.

Rudolf Steiner, Tafelzeichnung mit dem archetypischen Motiv des zweiten Goetheanums, 1. Januar 1924. Der Grundsteinspruch lässt sich mit einem Samenkorn vergleichen. In ihm sind die umfassenden Bilder der kosmischen Ordnung der geistigen Welt, die Steiner in seinen Werken und Vorträgen skizziert hat, in Keimform zusammengeballt. Er ist ein zentraler, meditativer Text, den Steiner während der Weihnachtstagung - 25. Dezember 1923 bis 1. Januar 1924 - in Dornach verfasst und gesprochen hat. Steiner legte den Grundstein nicht physisch in die Erde, sondern als Grundstein der Erkenntnis in die Herzen der Menschen.

Gioia Shah
Ein Wald, der Wörter braucht. Der Wald kann ohne die Wörter nicht überleben – und umgekehrt.

…… Weil der Mukogodo-Wald überlebenswichtig war, ist sein Schutz tief in der Lebensweise der Yaaku verankert. Unsere Kultur besagt, dass das Fällen eines Baumes ein schlechtes Omen ist", sagt Loshiro. Der Wald und die Sprache waren für die Yaaku untrennbar. Doch im frühen 20. Jahrhundert assimilierten sie sich an ihre Nachbarn, das Hirtenvolk der Maasai. Sie lernten ihre Sprache Maasai.

Die britische Kolonialverwaltung verbot ihnen zu jagen und erklärte den Mukogodo-Wald 1937 zu einem Schutzgebiet. Wie so viele Wälder in Kenia wurde er aber in den vergangenen Jahrzehnten stark abgeholzt. Im Klassenzimmer geht Loshiro Vokabeln durch, die in kleine Metalltafeln geritzt wurden. Wenn ein Schüler das Wort auf Yaakunte sagen kann, kriegt er eine Tafel. Später kann er sie an einen der Bäume binden, die Loshiro und ihre Schüler im Wald gepflanzt haben. Die Sprache soll wieder wachsen, so wie die Bäume…… Die italienisch-amerikanische Anthropologin und der US-Naturschützer haben das Konzept der biokulturellen Vielfalt vor mehr als 30 Jahren mitbegründet. Harmon führte einige der frühesten globalen Kartierungen durch, die zeigten, dass Regionen mit besonders hoher Artenvielfalt oft auch besonders reich an Sprachen sind und dass indigene Gemeinschaften überproportional häufig in Biodiversitäts-Hotspots leben. Einer Studie zufolge konzentrieren sich dort rund 70 Prozent aller Sprachen.

16. April 2026 - Oktober 2026
Gespräche. Lectures. Film. Literaturtage. Video. Performace.

  • Theologische Fakultät der Humboldt- Universität zu Berlin, Burgstraße 26, 10178 Berlin, Raum 117

  • Für Studierende, Schüler.innen, Gasthörer
    und interessierte Menschen, Eintritt frei.

Im Himmel steht auch ein Haus, sagte die
vierjährige Alma-Lou vor einiger Zeit zu mir.
Performen was an der Zeit ist.

Ein Haus im Himmel / viele Wohnungen / ein Luftschloss gebaut aus Nächstenliebe / der menschliche Körper ein Tempel / Namaste. Die religiösen Über-lieferungen der Menschheit haben viele Bilder dafür, wie das Göttliche im Menschen Wohnung nimmt und das Menschliche im Göttlichen. Nicht nur Worte malen solche Bilder; auch eine Ikone, ein Ritual, eine Skulptur, eine Auf-führung, ein Musikstück, ja manchmal sogar eine wissenschaftliche Idee fügt dem eine weitere Dimension hinzu. Die Veranstaltungsreihe bringt Religion, Kunst, Wissenschaft mit ihrer jeweils inneren Vielfalt und mit ihren schon immer gegebenen Verbindungslinien ins Gespräch, ins Erfahren, ins Handeln. Sie lädt zum Zuhören ein, wenn Menschen über Häuser im Himmel und Tempel auf Erden sprechen, während sie verschiedenen religiösen und spirituellen Pfaden folgen; sie lädt zum Betrachten und Nachspüren ein, wo der Ausdruck davon sinnlich erfahrbar wird.

Doch das Wohnen des Göttlichen erschöpft sich nicht im Menschen allein. Auch Tiere, Pflanzen und die vielgestaltigen Lebewesen dieser Erde sind Träger von Sinn, Atem und Beziehung. Wälder werden zu Kathedralen, Flüsse zu liturgischen Wegen, Tiere zu Mitgeschöpfen, die uns lehren, was Verbundenheit, Maß und Gegenwärtigkeit bedeuten. In vielen religiösen und spirituellen Traditionen gilt die Schöpfung selbst als lebendiger Text, als Körper, als Mitbewohnerin des Heiligen. Wo das Menschliche im Göttlichen Wohnung nimmt, nimmt auch das Mehr-als-Menschliche Raum ein – verletzlich, würdevoll, unersetzlich. Tiere, Pflanzen, Böden, Gewässer und Atmosphären sind keine Kulissen menschlicher Existenz, sondern Mitbewohner eines gemeinsamen Hauses. Wälder, Meere und Städte bilden ein ökologisches Gefüge, in dem jedes Lebewesen Spuren hinterlässt und Verantwortung trägt. Religiöse Überlieferungen und zeitgenössische Wissenschaft verweisen gleichermaßen auf diese wechselseitige Abhängigkeit: Leben ist Beziehung. Die Frage nach dem Wohnen des Göttlichen wird so zur Frage nach nachhaltigem Handeln, nach Gerechtigkeit zwischen Generationen und Arten, nach einer Kultur des Genug. Es geht darum, durch neue Formen der Resonanz die Kultur eines respektvollen und friedlichen Umgangs zwischen Menschen unterschiedlicher religiöser und kultureller Prägungen in Kontakt zu bringen mit Menschen, die bisher die Wegkreuzung scheuen mit Andersdenkenden / Anderslebenden / Andersrespektierenden. Wo der menschliche Körper als Tempel verstanden wird, ist auch die Erde ein heiliger Raum, der Pflege, Achtsamkeit und Schutz verlangt.
Kunstplanbau 2026

16. 04.26 / 16:15-17:45h
Prof. Dr. Andreas Feldtkeller und
Dr. theol. Rosa Coco Schinagl
Einführung in die Reihe.

2 Samuel 7, 1-13 möchte König David Gott ein festes Haus (Tempel) bauen, da er selbst in einem Zedernhaus wohnt, während die Bundeslade noch im Zelt weilt.

23.04.26 / 16:15-17:45h
Dr. theol. Rosa Schinagl

Hannah Arendt. Über die Welt hinausfragen.
Liebe. Hass im Kontext des Selbst. Da Selbst ist nur im Kontext der Welt zu kategorisieren. Erst die Liebe zur Welt macht coelum et terra (Himmel und Erde) zur Welt, zur res mutabilis (wandelbar).

30.04.26 / 16:15-17:45h
Niklas Hoyme. Studierte Philosophie an der Cusanus Hochschule und an der Kueser Akademie für Europäische Geistesgeschichte. Mitglied in der Jugendsektion in Deutschland.
Den Drachen verstehen, begrenzen und überwinden.
Gedanken zum Pädagogischen Jugendkurs von Rudolf Steiner.

07.05.26 / 16:15-17:45h
Yaroslava Black-Terletska,
Priesterin, Autorin, Berlin.
Das Vergängliche und das Ewige. Was bleibt,
wenn Himmel und Erde vergehen?

21.05.26 / 16:15-17:45h
Mechtild Oltmann,
Priesterin, Autorin, Dozentin, Berlin.
Die Bedeutung des Todesaugenblicks im Schicksal der Gegenwart.

28.05.26 / 16:15-17:45h
Andreas Laudert,
Schriftsteller, Autor, Dozent, Lübeck
Geistige Heimatlosigkeit als Voraussetzung für Erkenntnis.

04.06.26 / 16:15-17:45h
Dr. Ulrich Kaiser,
Philosoph, Autor, Dozent, Hamburg.
Hütten und Häuser im Himmel – und für den Himmel bauen
Kutchaka – ποιήσω – Sukkah – Mischkan

11.06.26 / 16:15-17:45h
Prof. Dr. Anne Käfer,
Professorin für Systematische Theologie an der Universität Münster.
Das Buch Jesaja, Kapitel 40 … Alles Fleisch ist Gras, und alle seine Güte ist wie eine Blume auf dem Felde.

18.06.26 / 16:15-18:00h
Pfarrer Hannes Langbein,
Direktor der Stiftung St. Matthäus.
Johannes 14,2 In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen..... Eine Wohnung ist die St. Matthäus-Kirche am Kulturforum. Sie dient dem besonderen Auftrag, den Dialog der Kirche mit den Künsten zu führen und zu fördern.

Literaturtage
25.06.26 / 16:15-17:45h
Dr. Iftach Ben Aharon.
Dichter, Forscher, Autor, Dozent, Israel. Zurzeit lehrt er Anthroposophie in Harduf sowie an den Hochschulen Oranim, David Yellin und Beit Berl.
Prozesse der Schwellenüberschreitung in userer Zeit. Kulturelle Spaltung in Wissenschaft, Kunst und Religion.

Do 02.07.26
Marica Bodrožić
, Schriftstellerin, Berlin.
Die Rebellion der Liebenden. Von der Verwandlung unseres Denkens in unsicheren Zeiten. Der Kopf gestaltet die Welt, das Herz verändert sie.

Fr 03.07.
Marica Bodrožić
, Schriftstellerin, Berlin.
Die Rebellion der Liebenden. Von der Verwandlung unseres Denkens in unsicheren Zeiten. Der Kopf gestaltet die Welt, das Herz verändert sie.

09.07.26 / 16:15-17:45h
Dr. Alexander Poraj.
Zen-Meister unnd spiritueller Leiter Benediktushof, Autor, Zürich.
100 Jahre Zen im Westen - Visionen für die Welt von heute.
und 13:00-14:00h Videoaufnahme inn der St. Matthäus-Kirche.

16.07.26 / 16:15-17:45h
Prof. Dr. Dr. Wolf-Ulrich Klünker.
Professor für Philosophie und Erkenntnisgrundlagen der Anthroposophie. Leitung der Forschungsstelle für Psychologie DELOS und die Turmalin-Stiftung.
Die Erwartung der Engel. Den Menschen größer denken.


St. Matthäus-Kirche, Kulturforum Berlin
Matthäikirchplatz, 10785 Berlin
Oktober/November
in Planung. Referent.innen angefragt.

Künstlerisches Symposium : Im Himmel steht auch ein Haus
Vom Bleiben und Gehen. Ecoworks und Himmelreich.
Eine Begegnung vieler Welten.

Eine Gruppe Jugendlicher der Rosenheimer Waldorfschule reist unter der Leitung von Sibylle Stier nach Tunesien, um dort auf Geflüchtete zu treffen, die in dem nordafrikanischen Land festsitzen. Begleitet vom Community Dance Choreograph Josef Eder erkunden sie eine Realität, die in starkem Kontrast zu ihrer eigenen steht. Nach zehn Tagen kehren die Schüler:innen zurück nach Deutschland, wo sie ihre Erfahrungen im Theaterstück „Niemandsland“ verarbeiten.Der Dokumentarfilm macht diesen besonderen Austausch erfahrbar, zeigt die persönliche Entwicklung der Schüler:innen und gibt Einblick in eine oft übersehene und schwierige humanitäre Situation

Gastredner.innen
Manuel Linke, Director of Photography
Benjamin Heisenberg. Regisseur, Autor, Künstler
Eduardo Rincón. Gründungsmitglied «Impulso Biodinámico de México AC». Landesvertreter Mexikos bei der Gründung der Biodynamic Federation Demeter International (BFDI).
Emanuel Heisenberg. Ecoworks, Founder und CEO
Heike Kühner, Höfegemeinschaft Pommern
Prof. Dr. Anne Käfer und Rosa Coco Schinagl, Moderation

Performance »soil sisters« Contemporary 2.0* Bharatanatyam
Eva-Isolde Balzer, Regie, Choreografie, Tanz
Sri Lavanya Subramaniam, Choreografie, Tanz
Josephine Ramya, Choreografie, Tanz
Alifiyah Imani, Electroacoustic Composition
Djelifily Sako, Kora/Gesang
Nora Amin, Choreografie

Bereits 1996 warnte Harmon: "Die Prozesse, die Artenvielfalt zerstören, homogenisieren zugleich Kulturen und Sprachen." Inzwischen weisen immer mehr Wissenschaftler darauf hin, dass der Erhalt von Sprachen mit dem Schutz von Biodiversität einhergeht. Forscher um die kanadische Global-Health-Expertin Nicole Redvers erklärten das 2023 im Fachjournal The Lancet damit, dass traditionelles Wissen tief in indigenen Namen, mündlichen Überlieferungen und Taxonomien verwurzelt sei. "Die können verloren gehen, wenn eine Gemeinschaft zu einer anderen gesprochenen Sprache wechselt", schreiben die Wissenschaftler. Was Forscher durch Studien belegen, spürt Juliana Loshiro schon lange.

Der Wald kann ohne die Wörter nicht überleben – und umgekehrt. Deswegen reicht es nicht aus, Yaakunte nur im Klassenzimmer zu lehren, deswegen geht Loshiro jede Woche mit ihren Schülerinnen und Schülern in den Mukogodo. 50.000 Setzlinge hätten sie gepflanzt und viele davon mit Etiketten versehen, die Wörter auf Englisch und Yaakunte tragen, erzählt sie. So soll die Verbindung zwischen Sprache und Heimat fassbar werden. Wenn du einen Baum schlägst, holzt du auch unsere Sprache ab. Und wenn wir die Sprache verlieren, verlieren wir die Kultur und den Wald, Loshiro.