Meryl McMaster, So immens wie der Himmel, 2019

Meryl McMaster, Die Schwerkraft der Zeit,
Serie: Wanderungen, 2015

Meryl McMaster, Was werde ich zum Himmel und zur Erde sagen II, 2019

Alma-Lou, Im Himmel steht auch ein Haus, 2025

Agnes Martin, 1912 - 2004

Rudolf Steiner, Tafelzeichnung mit dem arche-typischen Motiv des zweiten Goetheanums, 1.1.1924.

16. April 2026 - Oktober 2026
Theologische Fakultät der Humboldt- Universität zu Berlin + im Stadtraum.
Gespräche. Lectures. Film. Literaturtage. Video. Performace.

Im Himmel steht auch ein Haus, sagte die
vierjährige Alma-Lou vor einiger Zeit zu mir.
Performen was an der Zeit ist.

Ein Haus im Himmel / viele Wohnungen / ein Luftschloss gebaut aus Nächsten-liebe / der menschliche Körper ein Tempel / Namaste. Die religiösen Über-lieferungen der Menschheit haben viele Bilder dafür, wie das Göttliche im Menschen Wohnung nimmt und das Menschliche im Göttlichen. Nicht nur Worte malen solche Bilder; auch eine Ikone, ein Ritual, eine Skulptur, eine Auf-führung, ein Musikstück, ja manchmal sogar eine wissenschaftliche Idee fügt dem eine weitere Dimension hinzu. Die Veranstaltungsreihe bringt Religion, Kunst, Wissenschaft mit ihrer jeweils inneren Vielfalt und mit ihren schon immer gegebenen Verbindungslinien ins Gespräch, ins Erfahren, ins Handeln. Sie lädt zum Zuhören ein, wenn Menschen über Häuser im Himmel und Tempel auf Erden sprechen, während sie verschiedenen religiösen und spirituellen Pfaden folgen; sie lädt zum Betrachten und Nachspüren ein, wo der Ausdruck davon sinnlich erfahrbar wird. Doch das Wohnen des Göttlichen erschöpft sich nicht im Menschen allein. Auch Tiere, Pflanzen und die vielgestaltigen Lebe-wesen dieser Erde sind Träger von Sinn, Atem und Beziehung. Wälder werden zu Kathedralen, Flüsse zu liturgischen Wegen, Tiere zu Mitgeschöpfen, die uns lehren, was Verbundenheit, Maß und Gegenwärtigkeit bedeuten. In vielen religiösen und spirituellen Traditionen gilt die Schöpfung selbst als lebendiger Text, als Körper, als Mitbewohnerin des Heiligen. Wo das Menschliche im Göttlichen Wohnung nimmt, nimmt auch das Mehr-als-Menschliche Raum ein – verletzlich, würdevoll, unersetzlich. Tiere, Pflanzen, Böden, Gewässer und Atmosphären sind keine Kulissen menschlicher Existenz, sondern Mitbewohner
eines gemeinsamen Hauses. Wälder, Meere und Städte bilden ein ökolo-gisches Gefüge, in dem jedes Lebewesen Spuren hinterlässt und Verant-wortung trägt. Religiöse Überlieferungen und zeitgenössische Wissenschaft verweisen gleichermaßen auf diese wechselseitige Abhängigkeit: Leben ist Beziehung. Die Frage nach dem Wohnen des Göttlichen wird so zur Frage nach nachhaltigem Handeln, nach Gerechtigkeit zwischen Generationen und Arten, nach einer Kultur des Genug. Es geht darum, durch neue Formen der Resonanz die Kultur eines respektvollen und friedlichen Umgangs zwischen Menschen unterschiedlicher religiöser und kultureller Prägungen in Kontakt zu bringen mit Menschen, die bisher die Wegkreuzung scheuen mit Anders-denkenden / Anderslebenden / Andersrespektierenden. Wo der menschliche Körper als Tempel verstanden wird, ist auch die Erde ein heiliger Raum, der Pflege, Achtsamkeit und Schutz verlangt.
Kunstplanbau 2026


Gioia Shah
Ein Wald, der Wörter braucht.
Der Wald kann ohne die Wörter nicht überleben –
und umgekehrt.

…… Weil der Mukogodo-Wald überlebenswichtig war, ist sein Schutz tief in der Lebensweise der Yaaku verankert. Unsere Kultur besagt, dass das Fällen eines Baumes ein schlechtes Omen ist", sagt Loshiro.

Der Wald und die Sprache waren für die Yaaku untrennbar. Doch im frühen 20. Jahrhundert assimilierten sie sich an ihre Nachbarn, das Hirtenvolk der Maasai. Sie lernten ihre Sprache Maasai. Die britische Kolonialverwaltung verbot ihnen zu jagen und erklärte den Mukogodo-Wald 1937 zu einem Schutzgebiet. Wie so viele Wälder in Kenia wurde er aber in den vergangenen Jahrzehnten stark abgeholzt. Im Klassenzimmer geht Loshiro Vokabeln durch, die in kleine Metalltafeln geritzt wurden. Wenn ein Schüler das Wort auf Yaakunte sagen kann, kriegt er eine Tafel. Später kann er sie an einen der Bäume binden, die Loshiro und ihre Schüler im Wald gepflanzt haben. Die Sprache soll wieder wachsen, so wie die Bäume…….

Die italienisch-amerikanische Anthropologin und der US-Naturschützer haben das Konzept der biokulturellen Vielfalt vor mehr als 30 Jahren mitbegründet. Harmon führte einige der frühesten globalen Kartierungen durch, die zeigten, dass Regionen mit besonders hoher Artenvielfalt oft auch besonders reich an Sprachen sind und dass indigene Gemeinschaften überproportional häufig in Biodiversitäts-Hotspots leben. Einer Studie zufolge konzentrieren sich dort rund 70 Prozent aller Sprachen. Bereits 1996 warnte Harmon: "Die Prozesse, die Artenvielfalt zerstören, homogenisieren zugleich Kulturen und Sprachen." Inzwischen weisen immer mehr Wissenschaftler darauf hin, dass der Erhalt von Sprachen mit dem Schutz von Biodiversität einhergeht. Forscher um die kanadische Global-Health-Expertin Nicole Redvers erklärten das 2023 im Fachjournal The Lancet damit, dass traditionelles Wissen tief in indigenen Namen, mündlichen Überlieferungen und Taxonomien verwurzelt sei. "Die können verloren gehen, wenn eine Gemeinschaft zu einer anderen gesprochenen Sprache wechselt", schreiben die Wissenschaftler. Was Forscher durch Studien belegen, spürt Juliana Loshiro schon lange.

Der Wald kann ohne die Wörter nicht überleben – und umgekehrt. Deswegen reicht es nicht aus, Yaakunte nur im Klassenzimmer zu lehren, deswegen geht Loshiro jede Woche mit ihren Schülerinnen und Schülern in den Mukogodo. 50.000 Setzlinge hätten sie gepflanzt und viele davon mit Etiketten versehen, die Wörter auf Englisch und Yaakunte tragen, erzählt sie. So soll die Verbindung zwischen Sprache und Heimat fassbar werden.


Wenn du einen Baum schlägst, holzt du auch unsere Sprache ab. Und wenn wir die Sprache verlieren, verlieren wir die Kultur und den Wald, Loshiro.

Agnes Martin, 1989
Wenn ich an Kunst denke, denke ich an Schönheit.
Schönheit ist das Geheimnis des Lebens.
Sie liegt nicht im Auge, sie liegt im Inneren.
In unserem Inneren gibt es Erkenntnis von Vollkommenheit.

Meine Arbeit ist Anti-Natur / Der vierstöckige Berg / Du denkst weder an Form, Raum, Linie noch Umriss / Eine bloße Andeutung von Natur gibt Gewicht / leicht und schwer.

Bodo von Plato. Stiftung Kulturimpuls + Haus für Nichts
In den existentiellen, menschengemachten Herausforderungen von heute und morgen werden wohl Religion und Kunst – im Zusammenhang mit Wissenschaft und Lebensführung – eine ganz maßgebliche Rolle zu spielen haben. Denn sie sind selbst menschengemacht und führen doch, wo sie ihren Namen verdienen, immer über sich selbst und den einzelnen Menschen hinaus. Alle Kunst findet in der Ästhetik ihren konkreten Zusammenhang mit Erkenntnissuche und Reflexion (Wissenschaft), mit täglichen und spirituellen Existenzfragen (Lebensführung). Denn sie ist nicht allein Reflexion des Kunstschaffens. Ursprünglich und ihrer Bestimmung nach ist sie Verbindung von Materie und Geist, von Stoff und Form, von sinnlicher und übersinnlicher Welt. Sie ist Verbindung, Durchdringung und Verwandlung von Gegensätzen – im Menschen, durch den Menschen, als Mensch. Eine Wertschätzung und Ausbildung ästhetischer Erfahrung eröffnet menschliche, unerwartete und transformatorische Horizonte. Ästhetische Erfahrung ist nicht und nie einseitig; sie unterscheidet wohl, aber verbindet das Verschiedene; sie entsteht aus Verbindendem ohne Unterscheidungslosigkeit; sie ist beziehungsstiftend; sie lebt gleichermaßen aus empfangen und hervorbringen; sie ist – wie die in ihrer Unwirksamkeit wirksame Kontemplation – passiv und aktiv zugleich; sie weiß um eine Verhältnismäßigkeit, die nicht vorher gewusst werden kann; sie erscheint am vollkommensten, wo Sinnliches und Geistiges einander wirklich durchdringen, wo Wahrnehmung und Reflexion Unvorhersehbares in Angemessenheit schaffen. Wirklich, unvorhersehbar und angemessen wie der Mensch selbst. Schöpferisches Geschöpf, das erkennt und hervorbringt – und bald dieses durch jenes. Erkennen des Erkennens als Menschliches des Menschen?

Für Studierende, Schüler.innen
und interessierte Menschen,
Eintritt frei.

ORT:Theologische Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin
Burgstraße 26, 10178 Berlin

St. Matthäus-Kirche am Kulturforum, 10785 Berlin